LA 250-4411 von Thorsten Hink im Mini Salon

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 15. Juli 2004, ab 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 16.07.2004 - 19.09.2004
m i n i s a l o n
rüdiger belter kunstvermittlung
Landsberger Strasse 129
D-80339 München-Westend
Bei der aktuellen Konjunktur der Malerei sollte nicht übersehen werden, dass
diese Gattung in einer Jahrhunderte währenden Tradition steht, die eine
Unvoreingenommenheit nicht gerade leicht macht. "Öl auf Leinwand" reicht
vielleicht schon aus, die Vorstellung des in der klausurhaften
Abgeschiedenheit seines Ateliers arbeitenden genialischen Künstlers
aufzurufen. Die Malerei Torsten Hinks widerstrebt dem Pathos einer solchen
Kunstauffassung. Er verwendet alternative Materialien und Untergründe,
Bildthemen und Technik widersprechen durchaus auch mal anerkannten Regeln
der Kunst.
Jüngste Arbeiten entstehen beispielsweise mit Zaponlack oder Folie auf
Aluminiumoberflächen. Die Motive wirken reduziert, häufig bestehend aus
einem einzelnen Objekt auf flächig wirkendem Bildgrund oder einer einfach
strukturierten Szene. Wer mit Programmen der digitalen Bildbearbeitung
vertraut ist, erkennt Analogien zu Verfahren wie dem Freistellen oder der
Maskierung von Objekten wieder. Ein immer wieder auftauchendes Element ist
die Kontur. In ihrer Ausführung ist sie mal grafisch-akkurat, mal
gestisch-malerisch mit deutlich sichtbarem Pinselduktus und
Farbverlaufsspuren. Einige Konturen sind mit einer Oberfräse in den
Bildgrund gefräst. Sie trennen das Objekt aus einem vorgestellten Bildraum
heraus und konterkarieren damit seinen Illusionismus. Die Wirkung kippt
zwischen der Wahrnehmung eines Bildganzen und einem folienartigen Zerfall in
Einzelsegmente. Deren Oberfläche kann vom Betrachter trotz figurativer
Elemente auf eine rein malerische Weise betrachtet werden. Dabei erhalten
Gebrauchsspuren eines unbehandelten Untergrundes den gleichen Stellenwert
wie der Farbauftrag des Künstlers.
Die Ansicht des dargestellten Objektes ist häufig eine schräge Aufsicht und
wirkt idealisiert. Sie entspricht damit weniger unserer alltäglichen
Wahrnehmung der realen Umwelt als der, wie wir sie aus Produktkatalogen,
Büchern oder Filmen kennen. Die Banalität der Motive, ihre medial geprägte
Präsentation und das Herauslösen der Sujets aus einem narrativen Kontext
sorgt für eine ausgesprochene Coolness in Bezug auf das Abgebildete.
Die Themen Hinks meiden die großen Sinnfragen des Lebens. Seine Bildwelten
bestehen aus dem, was jeder täglich erfahren kann und sind in dieser
Hinsicht unspektakulär. Motivreihen wie Einkäufer, Touristen oder
Sofagruppen lassen sich in ihrer seriellen Ausführung allerdings auch gut
als ironischer Kommentar zu einem obsolet gewordenen Begriff
gesellschaftlicher Individualität lesen. Ihre Trivialität vermittelt
einerseits eine vielleicht zeitgemäßere Form von Wahrhaftigkeit.
Andererseits lenkt sie die Aufmerksamkeit auf das, worum es dem Künstler
hauptsächlich geht: Fragestellungen und Ästhetik aktueller Malerei. Was sie
ermöglicht, ist ein vom Pathos unbelasteter und insofern frischer Blick auf
Malerei als Gattung.